Alle Termine der Berliner Geschichtswerkstatt auf einen Blick

01.10.2022 (Samstag)

Schöneberg im Wandel der Zeit. Ein Stadtteil-Rundgang durch drei Jahrhunderte

13:00 - 15:30

Stadtteilführung in Kooperation mit der VHS Tempelhof-Schöneberg

Wer heute die schnelle Verbindung über die Langenscheidt Brücke von und nach Kreuzberg nutzt, ahnt kaum, dass es diese und andere Wegstrecken bereits im 17. Jahrhundert gab. Während an der Potsdamer Chaussee (ab 1840: Botanische Gartenstraße, seit 1881: Hauptstraße) eine dichte Besiedelung einsetzte, war der Ostteil des 1750 begründeten Dorfes ''Neu Schöneberg'' weitgehend geprägt durch Ackerland und Wiesen. Auch die 1838 feierlich eingeweihte Berlin-Potsdamer-Eisenbahnstrecke änderte daran wenig. Zwar hatten viele Bauern Ländereien an die Eisenbahngesellschaft verkauft, bauten aber weiterhin Getreide und Kartoffeln an. Erst Ende der 1880er-Jahre wurde auch dieser Teil Neu Schönebergs besiedelt. Straßen und mehrstöckige Wohnhäuser entstanden, in deren Hinterhöfen Gewerbetreibende mit oft nur ein bis zwei Mitarbeitenden ihr Handwerk ausübten. So auch der Hofkunstschmied Karl Paul Marcus, der den vorbildlichen Betrieb ''Arndt & Marcus'' (später: Marcus Metallbau) an der Monumentenstraße aufbaute und damit Weltruhm erlangte. Den Gewerbehof daneben, ein Pferde-Omnibus-Depot, übernahm 1905 die Firma ABOAG und wurde zu einem der wichtigsten Arbeitgeber in Schöneberg. Während nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere in der stark zerstörten Crellestraße, kleine Betriebe ihre Arbeit wieder aufnahmen, erinnern sich heute nur noch wenige Menschen an die Firma Marcus Metallbau, die sich von dem Makel als Rüstungsbetrieb für die Nazis gearbeitet zu haben nie mehr erholte. Geblieben ist ein besonderer Ort, an dem Vergangenheit, Entwicklung und Fortschritt wie sonst kaum in Schöneberg nebeneinander und sichtbar in eine neue Zeit der Moderne führten.

Referentin: Marita Filipowsky, Berliner Geschichtswerkstatt e. V.

Treffpunkt für angemeldete Teilnehmende: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin (U-Bahnlinie 7, Station: Eisenacher Straße)
Anmeldung zuvor an der VHS erforderlich.

Kursnummer: TS101.008H

Entgelt: 7,60 EUR
Ermäßigt: 5,30 EUR

09.10.2022 (Sonntag)

Rundgang: Die Rote Insel - Geschichte eines ehemaligen Schöneberger Arbeiterviertels

14:00 - 16:30

Stadtteilführung in Kooperation mit der VHS Tempelhof-Schöneberg

Das Areal zwischen den Gleisanlagen der Nord-Süd-Bahn S2 (die ehemalige Anhalter und Dresdner Bahn), der Wannseebahn S1 (die ehemalige Potsdamer Bahn) und der Ringbahn wird landläufig als ''Insel'' bzw. seiner historischen Eigenschaft eines proletarischen Wohnquartiers wegen als ''Rote Insel'' bezeichnet. Die Weltgeschichte von 100 Jahren ist hier wie in einem Brennspiegel verdichtet: Militär- und Eisenbahngeschichte, Industrieansiedlung und Massenwohnungsbau, die Politik der großen und kleinen Leute, Arbeiterbewegung, Faschismus und Widerstand haben Spuren in der Lokalgeschichte hinterlassen. Diese werden in einem ca. 2,5-stündigen Rundgang durch den Kiez wiedergefunden und erläutert.

Referent: Dr. Andreas Bräutigam, Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

Treffpunkt für angemeldete Teilnehmende: Kolonnenstr./Ecke Cheruskerstr. vor der ''Bio-Insel'', direkt am S-Bhf. Julius-Leber-Brücke.
Anmeldung zuvor an der VHS erforderlich.

Kursnummer: TS101.010H
Entgelt: 7,60 EUR
Ermäßigt: 5,30 EUR

15.10.2022 (Samstag)

Rundgang: Schöneberg im Aufbruch - Wendejahre zwischen 1874 und 1919

13:00 - 15:30

Stadtteilführung in Kooperation mit der Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg    

 

Noch im Jahre 1867 behauptete ein Besucher Alt-Schönebergs, es sei unmöglich, auf den morastigen Wegen des Ortes zu Fuß fortzukommen, wolle man nicht Gefahr laufen, Schuhe oder Stiefel zu verlieren. Bei dieser Aussage möchte man meinen, das Dorf habe sich seit Gründung kaum verändert, was aber natürlich nicht der Fall ist.
Immerhin erhielt Schöneberg 1853 als einziger Vorort Berlins Gasbeleuchtung. Auch profitierten insbesondere Gastwirte von der zum Teil schon 1791 befestigten Landstraße nach Potsdam. Als 1838 unmittelbar am Ortsrand die erste preußische Eisenbahnlinie fuhr, gab es darüber und über die umfangreichen Bebauungspläne Hobrechts noch jahrelange Streitigkeiten im Gesamtgemeinderat des 1874 eingeweihten Amtshauses.
Zwar waren in der Ortsverwaltung nur zwei Bauern vertreten, die jedoch ein außerordentliches Mitspracherecht ausübten, wenn es um die städtebauliche Neuplanung Schönebergs ging. Da Sie im Besitz vieler Grundstücke waren, folgte man schließlich ihren Vorschlägen bezüglich einer Durchmischung von Mietskasernen, Hinterhofindustrie und herrschaftlichen Wohnungen für höhere Beamte, Fabrikanten, Kaufleute, Pensionäre, Witwen und höhere Militärs.
Den Bau von großen Fabriken jedoch lehnte man ab. So musste die Firma Goerz 1887 nach Friedenau ausweichen und schrieb eine ungewöhnliche Firmengeschichte, welche in den Höfen und Gebäuden noch bis heute sichtbar ist.

Es wird eine gültige BVG-Fahrkarte benötigt.
Anmeldung zuvor an der VHS erforderlich.
Treffpunkt für angemeldete Teilnehmende: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin (U-Bahnlinie 7, Station: Eisenacher Straße)

Referentin: Marita Filipowsky, Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

Kursnummer: TS101.011H
Entgelt: 7,60 EUR
Ermäßigt: 5,30 EUR

17.10.2022 (Montag)

Werkstattgespräch "Grabe. wo du stehst: 40 Jahre Erinnerungsarbeit der BGW"

19:00 - 20:30


Die Geschichtswerkstätten-Bewegung ist Teil der Erinnerungskultur in Deutschland. "Mit dem Aufkommen dieser Bewegung in den frühen 80er Jahren erlebte das öffentliche Erinnern in Westdeutschland einen beispiellosen Aufschwung", so Jenny
Wüstenberg. Der Ansatz "Grabe, wo du stehst" wird am Beispiel  der Geschichtswerkstatt Lichtenrade, die sich 2001 der Berliner Geschichtswerkstatt angeschlossen hat, von Andreas Bräutigam vorgestellt. Wie aktuell Erinnerungsarbeit ist, wird vor allem mit Blick auf gegenwärtige nationalistische bzw. identitäre Interpretationen der deutschen Geschichte deutlich. Wüstenberg: "Wir brauchen, neben dem Einsatz neuer Medien, vielleicht auch emotionalere Herangehensweisen, damit aus Erinnerungsarbeit auch wieder Erinnerungsprotest werden kann."

Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin
ReferentInnen: Prof. Jenny Wüstenberg (Nottingham Trent University, UK),
Dr. Andreas Bräutigam (Berliner Geschichtswerkstatt e. V.)
Moderation: Sonja Miltenberger

13.11.2022 (Sonntag)

Rundgang: Direkt vor der Haustür - Stolpersteine in Lichtenrade

11:00 - 13:00

Stadtteilführung in Kooperation mit der Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg

Im Ortsteil Lichtenrade erinnern 33 Stolpersteine an 13 Adressen an von den Nationalsozialisten verfolgte und ermordete Menschen, die dort jeweils ihren letzten Wohnsitz hatten. Die meisten dieser Menschen waren Jüdinnen und Juden oder sie wurden durch die NS-Rassegesetzgebung zu solchen definiert. In dem ca. 2-stündigen Spaziergang wird eine exemplarische Auswahl der Adressen rund um die Bahnhofstraße besucht und über die dort verfolgten Menschen berichtet.

Treffpunkt: Steinstr. Ecke Bahnhofstr.
Anmeldung zuvor an der VHS erforderlich.
Referent: Dr. Andreas Bräutigam, Berliner Geschichtswerkstatt e.V.
Kursnummer: TS102.004H
Die Führung ist gratis.

21.11.2022 (Montag)

Werkstattgespräch "Die Rote Insel - Geschichte eines ehemaligen Schöneberger Arbeiterviertels"

19:00 - 20:30

Das Areal zwischen den Gleisanlagen der Nord-Süd-Bahn, der Wannseebahn und der Ringbahn wird landläufig als "Insel" bzw. seiner historischen Eigenschaft eines proletarischen Wohnquartiers wegen als "Rote Insel" bezeichnet. Eines der ersten Projekte, das die Berliner Geschichtswerkstatt bekannt gemacht hat. war ihre Ausstellung und das Buch zur Geschichte des Schöneberger Arbeiterviertels "Die Rote Insel" aus dem Jahr 1987. 1989 wurde sie auch im Ostteil der Stadt - der damaligen Hauptstadt der DDR - präsentiert. Das Buch - 2008 als Reprint erneut aufgelegt - findet bis heute regelmäßige und interessierteAbnahme. Was hat die Berliner Geschichtswerkstatt in den 1980er Jahren auf der "Insel" vorgefunden? Wie hat sich das Quartier seitdem verändert und weiterentwickelt? Welche neuen Ansätze
für eine "Geschichte von unten" gibt es im Stadtteil? Die Veranstaltung zeichnet die 40-jährige Arbeit der BGW zur "Roten Insel" nach, fragt nach den Wirkungen und
Perspektiven.

Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin
ReferentInnen: Gisela Wenzel {Berliner Geschichtswerkstatt e. V), Martin Forberg
(Stadtbilderklärer und Autor), Annette Maurer-Kartal (Stadtteilverein Schöneberg,
AK Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber)
Moderation: Dr.Andreas Bräutigam

09.01.2023 (Montag)

Werkstattgespräch "Warum denn kein Benno Ohnesorg-Platz?"

19:00 - 20:30

Straßennamen sind mehr als Ortsbezeichnungen. Sie sind auch Ausdruck unterschiedlicher Auffassungen, was in einer Gesellschaft wichtig ist oder welche Personen in Ehren gehalten werden sollen. In Berlin wurde seit der Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 über Straßennamen gestritten. Wie erinnern wir an jüngere
politische Ereignisse wie die Studentenrevolte Ende der 1960er oder die Hausbesetzerbewegung in den 1980ern? Wann sollten Straßennamen durch neue Namen ersetzt werden? Und muss der Name einer Person der Zeitgeschichte tatsächlich weichen, wenn er nicht den heutigen Kriterien für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entspricht? Die Diskussion dauert an. Der Vortrag stellt den "Straßennamenkampf" in Berlin seit 1920 dar und hebt hervor, dass ein Ende der Auseinandersetzungen zurzeit nicht absehbar ist.

Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin
Referent: Jürgen Karwelat (Berliner Geschichtswerkstatt e. V.)
Moderation: Peter Lassau


30.01.2023 (Montag)

Werkstattgespräch "Wer erzählt? Dokumente als Ersatz für Zeitzeugen"

19:00 - 20:30

Wie gehen wir damit um, wenn Zeitzeugen zur Epoche des Nationalsozialismus bald nicht mehr zur Verfügung stehen? Gerade für uns in der Berliner Geschichtswerkstatt,  die in der Tradition der Geschichte von unten steht und vielfach zum Nationalsozialismus gearbeitet hat und arbeitet, nehmen diese Zeitzeugen eine zentrale Stellung bei der Erfassung und Vermittlung historischer Sachverhalte ein. Können neue Medien und der Einsatz von digitalen Archiven mit Dokumenten, Fotos, Filmen etc. die Zeitzeugen in persona mit ihrer Anschaulichkeit und emotionalen Nähe ersetzen?

Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin
ReferentInnen: Dr.Irmgard Zündorf (Public History, Freie Universität Berlin), Dr. Cord Pagenstecher (Oral History Digital, Freie Universität Berlin)
Moderation: Gertrud Fischer-Sabrow

13.02.2023 (Montag)

Werkstattgespräch "Geschichtswerkstatt - quo vadis?"

19:00 - 20:30

40 Jahre Berliner Geschichtswerkstatt sind nicht nur Anlass, in die Vergangenheit zu schauen. Nicht weniger wichtig ist der Blick nach vorne. Wie mag die Zukunft dieses Vereins aussehen? Die Mitgliederkartei verrät, dass nicht nur der Verein älter geworden ist. Zunehmend sind es Rentner und Pensionäre, die die Berliner
Geschichtswerkstatt am leben halten. Das ist zwar beruhigend, schließlich ist abzusehen, dass weitere interessante Jahrgänge den Ruhestand erreichen und Lust auf eine sinnvolle Betätigung haben, aber so schön das ist: Es fehlt an jungen Leuten, die
mitmachen; ein Phänomen, das auch für andere Vereine gilt. In einem Podiumsgespräch mit jüngeren Engagierten wollen wir überlegen, wie das Interesse an unserer Arbeit geweckt werden könnte und weiche Zukunftsperspektiven es für die Berliner Geschichtswerkstatt e. V. gibt. Welche Mittel, Methoden, Aktionsformen.
Welche Partnerschaften könnten da behilflich sein?

Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, 10781 Berlin
ReferentIinnen: Martha Betat (Berliner Geschichtswerkstatt e. V.). Helena
Becker (Berliner Geschichtswerkstatt e. V.), N.N. ("Tütü Sabotage")
Moderation: Peter Lassau