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Termine

11.12.2017 (Montag)

Zwischen Deutschland und der Sowjetunion

Das Schicksal eines kommunistischen Schöneberger Gastwirts

Emil Karl Wilhelm Potratz (* 24. Juli 1888) wuchs in einer Arbeiterfamilie auf. 1910 wurde er Mitglied der SPD und 1914 bei einer verbotenen Antikriegsdemonstration verhaftet. 1917 trat er der gerade gegründeten USPD und schließlich der KPD bei. Ab 1922 betrieb er auf der Schöneberger Roten Insel ein Lokal gleichen Namens, das schon bald Ziel für nationalsozialistische Anschläge wurde. Nach der Machtübernahme der Nazis verfolgt, emigrierte er im Juli 1933 auf Weisung seiner Partei in die Sowjetunion. Dort geriet er im November 1936 in die stalinistische Verfolgung unter den Emigranten. Zu fünf Jahren Haft verurteilt, wurde er verbannt und 1941 nach Deutschland ausgewiesen. Durch die Gestapo wurde er wieder inhaftiert, verhört, bedroht und drangsaliert. Beim Einrücken der Roten Armee wurde er aufgrund seiner Sprachkenntnisse von dieser in Dienst genommen. Er engagierte sich beim Aufbau des Sozialismus in der DDR. Seine Anerkennung als Opfer des Faschismus erhielt er erst 1957. Die Vorwürfe der stalinistischen Verfolgung wirkten nach.

Moderation: Jürgen Karwelat

Gast: Dr. Andreas Bräutigam, Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

Montag, 11. Dezember 2017 um 19 Uhr im Laden der Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, Berlin-Schöneberg

22.01.2018 (Montag)

Sowjetische Zwangsarbeit in Berlin

„Ostarbeiter/innen“ erinnern sich

Als sich ein Scheitern des „Blitzkrieges“ gegen die Sowjetunion abzeichnete, wurde im Spätherbst 1941 der Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilarbeiter in der deutschen Industrie und Landwirtschaft organisiert. Im Zuge dieses sog. „Russeneinsatzes“ wurden von Ende 1941 bis zum Spätsommer 1944 fast 630.000 sowjetische Kriegsgefangene und 2,8 Millionen zivile Arbeitskräfte nach Deutschland gebracht. In Berlin lebten im Jahr 1943 etwa 15.000 sowjetische Zwangsarbeiter/innen. Die deutsche Wirtschaftspolitik wollte mit dem Einsatz dieser Arbeitskräfte ein Maximum an Arbeitsleistung bei minimalem Kostenaufwand erreichen. Diese Politik wirkte sich vor allem auf die sowjetischen Zivilarbeiter/innen aus; über 50 Prozent waren junge Frauen im Alter von 17 bis 22 Jahren. Sie waren durch besondere Abzeichen („OST“) gekennzeichnet und in ihrer Lebensführung restriktiven Vorschriften unterworfen. Wie sich dies in der Praxis auswirkte, soll anhand von drei biografischen Interviews mit Ostarbeiter/innen aus dem Online-Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“ dargestellt werden. Thematisiert werden dabei der Alltag während der Zwangsarbeit sowie die Handlungsspielräume und Selbstbehauptungsstrategien der Zwangsarbeiter/innen.

Moderation: Dr. Elke Mocker

Gast: Dr. Cord Pagenstecher, Historiker

Montag, 22. Januar 2018 um 19 Uhr im Laden der Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, Berlin-Schöneberg

12.02.2018 (Montag)

Berliner Studenten an Moskauer und Leningrader Hochschulen 1950-1990

Wenn von „Berliner Studenten“ die Rede ist, sind zwei sehr unterschiedliche Gruppen bezeichnet: Zum einen Studenten aus Berlin-Ost, vor allem der Humboldt-Universität, die seit den 1950er Jahren in großer Zahl – in der Regel für ein ganzes Studium – an viele Hochschulorte der Sowjetunion zum „großen Bruder“ abgeordnet wurden. Zum anderen eine kleine Zahl von Studenten der Freien Universität Berlin (West) vorrangig aus Osteuropa-Studiengängen, die seit 1969 für ein Jahr an der Leningrader Universität studierten und forschten. So groß die Unterschiede waren, war beiden Gruppen gemeinsam, dass sie jenseits der ideologisch hochaufgeladenen Klischees über die Sowjetunion – „Reich des Bösen“ hier und „Bannerträger des Fortschritts“ dort - und jenseits des Studentenmilieus von Hörsaal und Wohnheim in der realen Alltagswelt einer fremden Gesellschaft lebten. Diese Alltagswelt unterschied sich merklich von beiden Klischeebildern. Als Zeitzeugen sollen sowohl „Westberliner“ wie auch „Ostberliner“ ehemalige Studenten interviewt werden. Bei den Ostberliner Studenten soll besonders die Entwicklung zwischen den 1950er und den 1980er Jahren beleuchtet werden.

Moderation: Peter Jahn

Gäste: Westberliner und Ostberliner ehemalige Studierende

Montag, 12.Februar 2018 um 19 Uhr im Laden der Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstraße 49, Berlin-Schöneberg

28.04.2018 (Samstag)

Russisches Leben in Berlin

Ein Rundgang durch Charlottengrad

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Berliner Westen zu einer geistigen Ersatzhauptstadt der russischsprachigen Welt. In dieser kurzen Blütezeit entstanden unzählige russische Theater, Kabaretts, Restaurants, Verlage und Geschäfte. „Es war eine Stadt in der Stadt; hier entstand das in der russischen Geschichte nahezu singuläre, künstliche Modell eines intensiven intellektuellen und kulturellen Lebens außerhalb Russlands, mitten in der deutschen Hauptstadt der Zwanziger Jahre.“ (Natan Federowski, 1978)

Der Rundgang wird zwischen Wittenbergplatz, Prager Platz und Kurfürstendamm Orte streifen, an denen russisches Geschäfts- und Kulturleben stattfand. Es werden Schriftsteller, Künstler und Geschäftsleute zu Wort kommen, die ihre Eindrücke aus jener Zeit schriftlich hinterlassen haben, sei es in literarischen Werken, Briefen oder anderen Selbstzeugnissen.

Moderation: Sonja Miltenberger

Referent: Prof. Dr. Ingo Juchler, Politikwissenschaftler und Germanist

Treffpunkt Wittenbergplatz

Samstag, 28. April 2018 um 14:00 Uhr