So, 24. November: Werkstattgespräch - Vom SS-Gefängnis Columbiahaus zum KZ Columbia

22.11.2013 08:41

Einladung zum Werkstattgespräch

 

Vom SS-Gefängnis Columbiahaus zum KZ Columbia

 

November 1934:  Die Ausweitung der Verfolgung auf sog. Kriminelle, Gewohnheitsverbrecher, "Asoziale", "Arbeitsscheue" und "Sittlichkeitsverbrecher"

 

Beate Winzer im Gespräch mit Andreas Pretzel und Susanne zur Nieden

 

Zeit:18 Uhr, Sonntag, den 24.11.2013

Ort: Berliner Geschichtswerkstatt, Goltzstr. 49, 10781 Berlin

 

Inhalt:

 

Im Oktober 1934 wurde aus dem SS-Gefängnis Columbiahaus das KZ Columbia. Zu diesem Zeitpunkt waren die SA-Gefängnisse geschlossen, das frühe KZ für Berlin, das KZ Oranienburg in der alten Brauerei, als solches aufgegeben. Die SA selbst war mit dem gemeinschaftlichen Mord im Juni 1934 keinerlei Machtfaktor mehr, Göring hatte seine innenpolitischen Kompetenzen an Himmler zugunsten der Luftwaffe abgegeben. Himmler setzte sich mit seinem Konzept der präventiven Verfolgung durch. Neue Opfergruppen füllten die engen, kalten Zellen im KZ Columbia. Auffallend an diesen Männern ist, das viele von ihnen zum Zeitpunkt ihrer Einlieferung sehr jung waren, sogar minderjährig. Der jüngste ist ab 1935 12 Jahre alt, der älteste unter den Neuzugängen 35. Die Verfolgung der Kommunisten und Gewerkschafter sprengt diesen Altersdurchschnitt wieder, dennoch bleibt nahezu ein Drittel der Eingelieferten Männer minderjährig. Manche warten auf ihren Prozess, andere werden "präventiv" festgehalten. Wegen Überfüllung werden viele von ihnen in die Lichtenburg nahe Pretzin gebracht. Wer sind diese jungen Männer? Und warum interessiert sich der unbekannte Sportmediziner Karl Astel aus Jena für sie und was haben Kommandant Koch und Reichsarzt SS Grawert damit zu tun?

Denn viele dieser Jungen und jungen Männer sind Stricher, Obdachlose, Einbrecher, Rauschgifthändler, Diebe und Gelegenheitsarbeiter aus der Unterschicht. Einige sind Mitglied der HJ und Mitglied einer verbotenen Jugendorganisation: der bündischen Jugend, vor allem der "deutschen Jungenschaft 1.11." Wieder andere sind in Parkanlagen und auf Festen, manche am Arbeitsplatz oder zuhause abgeholt worden: Ihre "Schuld" liegt in "homosexueller Betätigung nach § 175".

 

Warum gerade in Berlin ein solcher Schwerpunkt der Verfolgung dieser Männer lag und wie der weitere Leidensweg dieser Männer über die Befreiung hinaus bis zur heutigen Debatte über "Sittlichkeitsverbrecher" und "Pädophilie" aussah, ist Gegenstand dieses Werkstattgesprächs.

 

 

Andreas Pretzel

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle „Archiv für Sexualwissenschaft“ am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin

Zahlreiche Veröffentlichungen zur Verfolgung von Homosexuellen und Mitarbeit an Gedenkstätten

 

Dr. Susanne zur Nieden

Forscht und publiziert zur Geschichte des Nationalsozialismus und Geschichte der Sexualität mit dem Schwerpunkt Homosexualität. 2003 war sie Gastwissenschaftlerin im Forschungsprogramm der Max-Planck-Gesellschaft "Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus". Bis Ende 2011 war sie als Lehrbeauftragte am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin tätig.

Zahlreiche Veröffentlichungen zum NS mit Schwerpunkt Homosexualität, Frauen und Geschlechterpolitik

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