Aktivitäten 2011 bis 2013

Der Laden des Vereins

Der Laden des Vereins in der Goltzstraße 49 in Berlin-Schöneberg ist weiterhin jeden Werktag zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. In dieser Zeit stehen wir allen Interessenten z.B. für Anfragen zur Berliner Zeitgeschichte, für Beratung beim Verfassen wissenschaftlicher oder schulischer Arbeiten und weitere ähnliche Dienstleistungen zur Verfügung.
Wir bieten Praktikumsplätze und Arbeitsmöglichkeiten für SchülerInnen und StudentInnen. Zu den Öffnungszeiten kann auch unsere Bibliothek und das Archiv von der Öffentlichkeit genutzt werden.


Werkstattgespräche

Regelmäßig führt die Berliner Geschichtswerkstatt „Werkstattgespräche“ als Diskussionsforen mit Experten zu historischen Themen durch. Die Veranstaltungen in den Räumen des Vereins sind für die interessierte Öffentlichkeit konzipiert und in der Regel gut besucht. Das 30-jährige Bestehen des Vereins wurde zum Anlass genommen, der Zeit von Dezember 2011 bis Mai 2012 sieben Veranstaltungen durchzuführen. Die Veranstaltungsreihe wurde durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gefördert. Folgende Werkstattgespräche wurden durchgeführt:

2011

  • 22. März 2011: „Der Kapp-Putsch in Schöneberg“
  • 6. April 2011: Entschädigung für Heimkinder? Informationen zur Geschichte der Heimerziehung und zur aktuellen Debatte
  • 9. Mai 2011: „Versteckt im Wald. Rüstung – Ausbeutung – Gewalt“ Werkstattgespräch über Ausstellung in Warschau
  • 24. Oktober 2011: „Pfahl im Fleische. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei in Westberlin“

2012

  • 13. Oktober 2012: Lesung mit Hilde Schramm: Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux
  • 22. Oktober 2012: Werkstattgespräch mit Renate van Kampen… fast vergessen. Spuren eines jüdischen Lebens. Thekla Skorra, geb. Gottliebson (1866-1943
  • 8. Dezember 2012: „Mirë se erdhëm? Albanerinnen in Berlin“ Präsentation der gleichnamigen Online-Ausstellung im Club von Berlin

2013

  • 13. Januar 2013: Kundgebung „Endlich Rosa-Luxemburg-Steg“ am Landwehrkanal
  • 28. Januar 2013: Werkstattgespräch anlässlich des 80. Todestages von Erich Hermann zum Thema „Nazi-Terror in Lichtenrade am „Vorabend“ des 30. Januar 1933“
  • 20. August 2013: Enthüllung einer Gedenktafel für den Musiker Rio Reiser am Haus Tempelhofer Ufer 32
  • 14. November 2013: Film über Annedore und Julius Leber
  • 24. November 2013: Werkstattgespräch: Vom SS-Gefängnis Columbiahaus zum KZ Columbia
  • 15. Dezember 2013: Resonanzen - Vertonte Erinnerungen

2012/2013: Veranstaltungen im Rahmen der Reihe „30 Jahre Berliner Geschichtswerkstatt“

  • Von der Industriespree zur Mediaspree, Stadtspaziergang mit Angela Martin am 2. Dezember 2011
  • Erinnern vor Ort: Diskussionsveranstaltung mit Ruth Zantow, Bernhard Müller und Beate Winzer am 12. Dezember 2011
  • Geschichtswerkstatt versus Regionalmuseum? Podiumsdiskussion mit Martin Düspohl, Udo Gößwald und Andreas Ludwig am 30. Januar 2012
  • 30 Jahre Geschichtswerkstatt „von unten“ – reicht das jetzt? Podiumsdiskussion mit Susanne zur Nieden, Thomas Lindenberger und Siegfried Heimann am 27. Februar 2012
  • Gedenkorte zum Nationalsozialismus direkt vor der Haustür, Rundgang durch Lichtenrade und die Geschichte einer Platzbenennung am 27. März 2012
  • Zeitzeugen noch zeitgemäß? Podiumsdiskussion mit Regina Szepansky, Cord Pagenstecher und Lutz Sand am 23. April 2012
  • Mit dem Schiff durch die Berliner Geschichte am 6. Mai 2012

> Aktuelle Veranstaltungen

Begegnungen

Der Verein ist zunehmend Objekt der Geschichtsbetrachtung. So wurden im Berichtszeitraum zahlreiche Gespräche mit WissenschaftlerInnen und Studenten über die Geschichte der des Vereins und seines Stellenwerts in der „alternativen Geschichtsbewegung geführt. Auch ausländische Gruppen interessierten sich für die Erinnerungsarbeit des Vereins. So fand z.B. am 12. September 2011 ein Gespräch mit einem türkisch-armenischen Versöhnungsprojekts statt. Im Jahr darauf war mit ähnlichem Interesse eine Gruppe aus Ex-Jugoslawien „CNA – Centar za Nenasilnu Akciju“ zu Gast. 2013 wurde außerdem ein Fachgespräch über Geschichtsvermittlung mit einer britischen Lehrergruppe geführt.

Rundgänge über die „Rote Insel“ von Schöneberg

Der Verein führt weiterhin regelmäßig, zum Teil als Angebot der Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg zweistündige Rundgänge durch das gründerzeitliche Wohnquartier zwischen den S- und Fernbahngleisen an der Grenze von Schöneberg und Tempelhof durch. Außerdem regten wir bei Bezirk und Senat auf der Grundlage von gesammelten Augenzeugenberichten die Umgestaltung der ehem. Kohlenhandlung von Julius und Annedore Leber am Schöneberger Gasometer in der Torgauer Straße zu einem historischen Lern- und Gedenkort an. Gemeinsam mit dem Stadtteilverein Schöneberg e.V. und zahlreichen engagierten Bürgern haben wir als Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Annedore und Julius Leber die Vorschläge für die Gestaltung und die Nutzung des Geländes gemacht. Gleichzeitig wurde durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel durch Organisation einer Demonstration am 18. März 2013 durch den Schöneberger Stattteil aus Anlass des 109. Geburtstages von Annedore Leber oder Informationstand beim Schulfest der Annedore-Leber-Grundschule in Lichtenrade am 31. Mai 2013) für die Errichtung eines Lern- und Gedenkortes geworben. Die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen um die Zukunft des Geländes der ehemaligen Kohlenhandlung dauern an.

Archiv und Bibliothek

Das Dokumentationszentrum für Alltagsgeschichte besteht aus einem Archiv und einer Präsenzbibliothek mit einer Bestandsgröße von ca. 6.000 Titeln zu den Themenbereichen Berlingeschichte und Nationalsozialismus sowie Theorien und Methoden zur historischen Forschung und Geschichtsvermittlung.
Archiv und Bibliothek stehen allen Interessierten nach vorheriger Absprache zur Verfügung.
Im Berichtzeitraum wurde vor allem die Digitalisierung der Bibliotheksbestände vorangetrieben sowie die Bildbestände aus dem Forschungsprojekt zur NS-Zwangsarbeit in Berlin und Brandenburg in einer Spezialdatenbank weiter erfasst.
Das Dokumentationszentrum für Alltagsgeschichte besteht aus einem Archiv und einer Präsenzbibliothek mit einer Bestandsgröße von ca. 6.000 Titeln zu den Themenbereichen Berlingeschichte und Nationalsozialismus sowie Theorien und Methoden zur historischen Forschung und Geschichtsvermittlung.
Archiv und Bibliothek stehen allen Interessierten nach vorheriger Absprache zur Verfügung.
Im Berichtzeitraum wurde vor allem die Digitalisierung der Bibliotheksbestände vorangetrieben sowie die Bildbestände aus dem Forschungsprojekt zur NS-Zwangsarbeit in Berlin und Brandenburg in einer Spezialdatenbank weiter erfasst.
Ein Arbeitsschwerpunkt im Jahr 2011 war die Übergabe unseres Spezialarchivs zur NS-Zwangsarbeit an die Topografie des Terrors, Abteilung Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide (s. unten). Schwerpunkt für das Jahr 2012 und 2013 war die bibliothekarische Bearbeitung einer umfangreichen Schenkung, die vor allem aus hochwertigen Bildbänden und andere Publikationen zur Geschichte Berlins bestanden.
Die Nutzung der Bestände stieg im Vergleich zum vorangegangenen Berichtszeitraum leicht an. Die meisten Anfragen konzentrierten sich auf die Themen Erster Weltkrieg und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus.

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Mitgliederzeitschrift

Weiterhin wird zwei Mal im Jahr wird eine Mitgliederzeitschrift (Rundbrief) herausgegeben.
Neben den laufenden Berichten aus den Projekten und der Vorstandsarbeit hatten die Rundbriefe jeweils Schwerpunktthemen.
Diese bezogen sich im Jahre 2011 auf die Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins und des Tempelhofer Feldes. Hauptthema des Jahres 2012 war das 30-jährige Bestehen unseres Vereins und die aus diesem Anlass durchgeführte Veranstaltungsreihe „Graben - Stolpern - Erinnern. 30 Jahre Berliner Geschichtswerkstatt e. V.“ sowie der angestrebte Gedenkort für Annedore und Julius Leber. Zu Beginn des Jahres 2013 nahmen wir Abschied von Diethart Kerbs (1937-2013), einem Mitbegründer der Berliner Geschichtswerkstatt e. V. Im 2. Heft des Jahres 2013 stellten wir ausführlich die neue Zeitzeugen-App zur NS-Zwangsarbeit vor, die eine digitale Spurensuche und mobiles Lernen im öffentlichen Raum ermöglicht.

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Arbeitsgruppe Zwangsarbeit in Berlin

a) Die Zeitzeugen-App der Berliner Geschichtswerkstatt

„Zwangsarbeit. Die Zeitzeugen-App der Berliner Geschichtswerkstatt“ ist am 20. August 2013 online gegangen. Nach einem Monat im App-Store wurde die neue Smartphone-Anwendung zur nationalsozialistischen Zwangsarbeit bereits über 500 Mal heruntergeladen. Pressebeiträge und Webforen berichteten über die App – von dpa und „iPhone-Ticker“ bis zum „Stettiner Kurier“. Sie war auch Teil der zentralen Ausstellung des Themenjahrs „Zerstörte Vielfalt“ im Deutschen Historischen Museum (Januar bis November 2013).

Berlin war ein Zentrum der Zwangsarbeit: Zwischen 1938 und 1945 musste eine halbe Million Zwangsarbeiter – Männer, Frauen und Kinder – in Berliner Fabriken, Dienststellen und Haushalten arbeiten, so viele wie in keiner anderen Stadt Europas. Aus der „Volksgemeinschaft“ ausgegrenzt, lebten sie in über 3000 Lagern, direkt vor der Haustür der Berliner. In Interviews und Briefen erzählen sie von Arbeit, Hunger, Gewalt und Bomben, aber auch von Liebe und Freundschaften.
Nun werden die Erinnerungen jener unfreiwilligen Berliner wieder lebendig – vor Ort, mit dem Smartphone in der Hand. Die fünf verschiedenen Touren der Zeitzeugen-App ermöglichen eine multimediale Spurensuche. Mit Interviewausschnitten, Fotos und Karten folgt der Nutzer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der S-Bahn den Alltagswegen der Zwangsarbeiter durch die Stadt. Touristen, Schüler und alle interessierten Berliner entdecken Orte, die in Reiseführern nicht verzeichnet sind. An bekannten Orten finden sie Spuren einer vergessenen Geschichte.
Fünf Touren führen durch Berlin:

  • Ein Pole in Berlin. Fuß-Tour, Start: S-Bhf. Bornholmer Straße
  • Opfer und Täter. Fuß-Tour, Start: Brandenburger Tor
  • In der Fabrik. Fuß-Tour, Start: S-Bhf. Gesundbrunnen
  • Zwangsarbeit war überall. Rad-Tour, Start: Potsdamer Platz
  • Durch die Stadt der Lager. S-Bahn-Tour, Start: Bahnhof Zoologischer Garten

Die App wurde auf Deutsch und Englisch zunächst für iPhone entwickelt; im Frühjahr 2014 folgte eine Android-Version. Programmierung und Gestaltung übernahm die Mobile Melting GmbH. Dieses Pilotprojekt des mobilen Lernens war ein Beitrag der Berliner Geschichtswerkstatt zum Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ (2013). Es wurde unterstützt von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und dem Hauptstadtkulturfonds. Die App wurde mit einem Zeitzeugen-Gespräch am 22. Mai 2013 erstmals öffentlich präsentiert.

Literatur: Ewa Czerwiakowski, Thomas Irmer, Cord Pagenstecher, Digitale Spurensuche und mobiles Lernen im öffentlichen Raum. Die Zeitzeugen-App zur NS-Zwangsarbeit in Berlin, in: Erinnern an Zwangsarbeit. Zeitzeugen-Interviews in der digitalen Welt, Berlin: Metropol 2013, S. 267-272.

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b) Zwangsarbeit bei Bosch

Von März bis Mai 2011 haben wir im Warschauer Dom Spotkań z Historią (Haus der Begegnung mit der Geschichte) die Ausstellung W niemieckim lesie. Zbrojenia – Wyzysk – przemoc I Versteckt im Wald. Rüstung – Ausbeutung – Gewalt präsentiert.
Im Zentrum der Ausstellung standen die Erfahrungen von polnischen Frauen, die 1944 aus dem aufständischen Warschau in das KZ-Außenlager Kleinmachnow deportiert wurden. Dieses KZ befand sich auf dem Firmengelände der Bosch-Tochtergesellschaft Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG). Die Häftlinge wurden in einer der Werkshallen der DLMG zur Herstellung von Rüstungsgütern gezwungen. Die zweisprachige Ausstellung (polnisch und deutsch) thematisierte außerdem das Schicksal von zivilen Zwangsarbeiterinnen, die für die DLMG arbeiten mussten. Versteckt im Wald wurde im Zentrum Warschaus im Haus der Begegnung mit der Geschichte präsentiert und zog zahlreiche BesucherInnen an.
Nach Beendigung der Ausstellung haben wir in einem „Werkstattgespräch” in den Räumen der BGW Fotos der Ausstellung präsentiert. Dabei wurden auch die unterschiedlichen Perspektiven auf KZ-Haft und Zwangsarbeit in Polen und Deutschland thematisiert.
2013 erarbeitete die Gruppe ein Konzept für eine Webseite zum Thema Zwangsarbeit bei Bosch in Hildesheim (Elfi/Trillke). Dieses Projekt mit dem Arbeitstitel Zum Beispiel Bosch. Zwangsarbeit im Hildesheimer Wald knüpft an die Arbeiten der BGW zum Bosch-Werk in Kleinmachnow bei Berlin (DLMG) an und soll u.a. einen Vergleich der Lebens- und Arbeitsbedingungen der ZwangsarbeiterInnen in den beiden größten Rüstungsunternehmen des Bosch-Konzerns ermöglichen.
Im Zentrum der multimedialen Webseite werden Ausschnitte aus Videointerviews stehen, die wir 2007 und 2008 mit polnischen und ukrainischen ehemaligen Zeitzeuginnen geführt haben. Deren Berichten werden ausgewählte Dokumente gegenübergestellt. Darüber hinaus sollen Fotos, Karten, Pläne und Dokumente die Entstehung und Entwicklung des Trillke-Werkes vermitteln. Schließlich bietet die Seite grundsätzliche Informationen zu Kriegswirtschaft und Kriegsverlauf sowie zum NS-Zwangsarbeitereinsatz. Die Webseite richtet sich an SchülerInnen und StudentInnen sowie an HistorikerInnen, LehrerInnen, JournalistInnen und andere Interessierte.
Ebenfalls im Jahr 2013 haben wir uns um Spendenmittel bemüht. Es wurden etwa 40.000 Euro für das Projekt zugesagt.
Im September 2013 haben wir eine Reise nach Hildesheim unternommen und dort verschiedene Kontakte geknüpft: vor allem zu Mitarbeitern des Bosch-Archivs, das uns Fotos zur Verfügung stellen wird, zum Stadtarchiv und zu Klaus Schäfer, Mitglied der Geschichtswerkstatt Hildesheim und Mitarbeiter der Initiative „Vernetztes Erinnern”, der unser Projekt unterstützt.
Bis zum Jahresende wurde ein Team für die Erstellung der Webseite zusammengestellt: Anke Schröder (Webdesignerin), Tobias Kilgus (Filmschnitt und Ton) und Marcel Giffey (Student der Geschichte an der Uni Hannover) arbeiten an dem Projekt mit, das vor allem von Angela Martin und Ewa Czerwiakowski vorangetrieben wird. Voraussichtlich wird die mit moderner Technologie programmierte Webseite am 8. Mai 2015 online gestellt.

 

c) Übergabe der Sammlung an das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit

Im Sommer 2011 hat die Berliner Geschichtswerkstatt ihre seit 1993 aufgebaute Spezialsammlung zur NS-Zwangsarbeit als Depositum an das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide der Stiftung Topographie des Terrors übergeben. Die mehrere Dutzend Kisten und über 6000 Datensätze umfassende Dauerleihgabe soll dort professionell und dauerhaft archiviert und zugänglich gemacht werden.
Die seit 1993 aufgebaute Sammlung enthält Hunderte persönlicher Erinnerungsberichte und Tausende privater Fotografien ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Aktenkopien, Fotodokumentationen, graue Literatur, Audio- und Video-Interviews etc.
Sie bildet eine wesentliche Grundlage der 2013 in Schöneweide eröffneten Dauerausstellung „Alltag Zwangsarbeit 1938-1945“. Weitere Forschungen und Publikationen arbeiten mit dem Material, wie regelmäßige Anfragen sowohl in Schöneweide als auch in der Geschichtswerkstatt zeigen. Die vorhandene Erschließung über die Lidos-Datenbank wurde für die Übergabe noch einmal wesentlich erweitert und ergänzt; ein Depositarvertrag regelt die weiteren Nutzungsrechte.

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d) Campi Fascisti - Neue Webseite

Am 28. November 2012 wurde in Rom das Projekt „I campi fascisti: dalle guerre in Africa alla Repubblica di Salò” (Die faschistischen Lager: Von den Afrika-Kriegen bis zur Republik von Salò) der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieses internationale Recherche- und Dokumentations-Projekt wurde von Audiodoc, einer italienischen Vereinigung von DokumentarautorInnen, initiiert. Die Berliner Geschichtswerkstatt hat seit 2011 als beratender Kooperationspartner mitgewirkt.
Das Projekt reagierte auf ein dringliches Forschungsdesiderat: Während die nationalsozialistischen Lager in Deutschland und – seit Kurzem auch – in Europa in den letzten Jahren intensiv erforscht wurden, ist über die verschiedenen Lagertypen im faschistischen Italien noch wenig bekannt. Unter Verweis auf die – in der Tat wesentlich größeren – Verbrechen in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern wurden die Gewaltstrukturen und Verbrechen des faschistischen Regimes (1922-1943/1945) in Italien nicht selten vernachlässigt.
Die umfangreiche, gleichwohl übersichtliche Webseite www.campifascisti.it liefert nun einen umfassenden Überblick über Orte und Einrichtungen – von den Dörfern der Verbannung in der italienischen Provinz bis zu den Lagern auf dem Balkan, in Libyen und Äthiopien. Eine auf Google Maps basierende Karte visualisiert diese geografisch ausgedehnte und thematisch differenzierte Topographie der faschistischen Repression.
Auf Klick stehen zu jedem Ort mehr oder weniger ausführliche historische Informationen, ausgewählte Dokumente und teilweise auch Zeitzeugen-Interviews zur Verfügung. Die in der Karte verzeichneten 397 Orte können auch in Tabellen durchsucht und nach verschiedenen Kriterien gefiltert werden. Zahlreiche Scans bisher unveröffentlichter Dokumente sowie online als Audio und/oder Transkript abrufbare Zeitzeugen-Interviews geben einen Einblick in Täter- und Opferperspektive. Hinzu kommen vollständig transkribierte Experten-Interviews.

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e) Kontinuierliche Beratungstätigkeit

Zahlreiche Anfragen per Post, Telefon oder E-Mail wurden im Rahmen des ehrenamtlich Möglichen bearbeitet. Forscher, Bildungsarbeiter und Familienangehörige erkundigten sich nach Informationen und Beständen zu einzelnen Firmen und Orten der Zwangsarbeit.

 

Migrationsgeschichte – Das Projekt „Mirë se erdhëm? Albanerinnen in Berlin“

Das Projekt „Mirë se erdhëm? Albanerinnen in Berlin“ sammelte ein Jahr lang, im Jahr 2012, Geschichten. Neun Frauen aus Kosova, Mazedonien und Albanien berichten über ihren Weg nach Berlin, erzählen über ihr Leben hier und fragen sich: „Mirë se erdhëm?“ (zu übersetzen als „Sind wir gut angekommen?“ oder „Sind wir willkommen?“ oder auch „Ist es gut, dass wir gekommen sind?“). Das Ergebnis ist eine Online-Ausstellung auf der Webseite der Berliner Geschichtswerkstatt.
Tausende Albanerinnen aus verschiedenen Ländern – vor allem. aus Albanien, Kosovo, Serbien und Mazedonien - leben in Berlin, sind aber der Öffentlichkeit als Gruppe(n) weitgehend unbekannt. Auch sind sie, wenn überhaupt, bislang nur sehr selten eingeladen worden, sich an Bildungsprojekten zu beteiligen und sich mit Fragen der deutschen Geschichte und Gegenwart auseinander zu setzen. Das wollten wir ändern.
Zwölf Albanerinnen fanden sich für das Projekt zusammen. Sie kamen als Kinder so genannter „Gastarbeiter/innen“ nach Berlin bzw. wurden hier geboren, sie emigrierten auf der Suche nach einem besseren Leben und/oder sie flohen vor den politischen Unruhen und der Gewalt nach dem Zerfall Jugoslawiens. Sie sind berufstätig oder mal arbeitslos, religiös oder auch nicht und leben in größeren Familienzusammenhängen oder als allein erziehende Mutter.
Im Rahmen verschiedener Workshops beschäftigten sie sich mit der deutsch-albanischen Geschichte und mit Familienbezügen im Zweiten Weltkrieg, sie diskutierten über Menschenrechte und über Religion und reflektierten das Leben als Frau in der Berliner Gesellschaft.
Neun Projektteilnehmerinnen stellten ihre biografische Erzählung für die Ausstellung zur Verfügung, davon haben sieben Frauen einen migrationsgeschichtlichen Bezug zum Kosovo, eine zu Mazedonien und eine zu Albanien. Einige Frauen entwickelten das Konzept der Ausstellung mit. Eine Teilnehmerin konnte sich nach der Geburt ihres Kindes im Sommer nicht länger am Projekt beteiligen, eine andere kehrte in den Kosovo zurück. Zwei Frauen entschieden, dass ihre biografische Erzählung doch privat bleiben, d.h. den Kreis der Gruppe nicht verlassen soll. Die Gruppe insgesamt beschloss, dass die Erzählungen anonymisiert werden; in der Konsequenz ist auch das Bildmaterial entsprechend zurückhaltend.
Das Ergebnis des Projektes bildet eine Online-Ausstellung unter http://www.berliner-geschichtswerkstatt.de/albanerinnen.html. Den Kern der Ausstellung bilden Auszüge aus den biografischen Erzählungen der Frauen, die über themenzentrierte Interviews erhoben wurden. Die elf Interviews wurden teils auf deutsch, teils auf albanisch geführt; die Transkripte der mündlichen Berichte wurden dem Schriftdeutsch angepasst. Die vollständigen Interviews stehen als PDF-Dateien zur Verfügung.
Am 8. Dezember 2012 wurden das Projekt und die Online-Ausstellung im Club von Berlin vorgestellt. Das Projekt der Berliner Geschichtswerkstatt wurde gefördert im Rahmen des Programms „Geschichte(n) in Vielfalt“ der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

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Arbeitsgruppe Geschichtswerkstatt Lichtenrade

Die Geschichtswerkstatt Lichtenrade veranstaltete im Berichtszeitraum weiterhin mehrere Stadtteilführungen bzw. -radtouren pro Kalenderjahr zu Themen der NS-Geschichte in Lichtenrade: Radtouren zu den Stätten der NS-Zwangsarbeit in Lichtenrade, Führungen zum Thema „Direkt vor der Haustür. Berlin-Lichtenrade im Nationalsozialismus“ sowie Rundgänge zum Thema „Stolpersteine gegen das Vergessen“ zur Erinnerung an die im Nationalsozialismus als Juden verfolgten Menschen in Lichtenrade. In allen drei Jahren des Berichtszeitraums wurden im Rahmen des Tages des offenen Denkmals auch Rundgänge zum Thema „Gedenkorte zum Nationalsozialismus direkt vor der Haustür“ durchgeführt, bei denen der Schwerpunkt auf die Entstehungsgeschichte der in Lichtenrade vorhandenen Gedenkorte zur NS-Geschichte gelegt und dabei exemplarisch die Entwicklung von 30 Jahren Gedenkkultur in der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf den Nationalsozialismus herausgearbeitet wurde.

2012 und 2013 beteiligte sich die Lichtenrader Geschichtswerkstatt in Kooperation mit den Vereinen „THF 33-45“ und „Stolpersteine an der B 96“ an den konzeptionellen Arbeiten zum Wiederauflebenlassen der aus den achtziger und neunziger Jahren bekannten antifaschistischen Stadtrundfahrten durch den Bezirksteil Tempelhof. Entworfen wurden Fahrtrouten zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen und Texte für eine geplante Begleitbroschüre. Infolge Ressourcen- und Terminabstimmungsproblemen bei den Kooperationspartnern sind die Arbeiten noch nicht beendet und ruhen derzeit. Entsprechend haben noch keine Fahrten wieder stattgefunden.

Die Arbeitsgruppe Geschichtswerkstatt Lichtenrade besteht aus 6 Mitgliedern, die bereits seit mehr als 25 Jahren am Thema arbeiten und sich je nach Bedarf ca. sechsmal im Jahr trifft, um die Veranstaltungen zu planen und vorzubereiten.

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Arbeitsgruppe Historische Stadtrundfahrten mit dem Schiff

Im Berichtszeitraum hat die Dampfergruppe wie in den Jahren zuvor an ca. 11 Sonntagen und etwa fünf Abendterminen in der Woche zwischen Mai und September Historische Stadtrundfahrten mit dem Schiff zu unterschiedlichen Themen der Stadtgeschichte angeboten. Prinzip der Gruppe ist es, die Begleitung in einem Team von mindestens drei Personen durchzuführen, wobei mindestens zwei die Erläuterungen geben und eine dritte Person den Büchertisch mit Berlin-Literatur betreut.

2011 wurde als neues Angebot die Fahrt „Mauergeschichte(n) anlässlich der 50. Wiederkehr der Errichtung der Mauer angeboten. 2013 entstand durch die Zusammenarbeit mit einem Seminar der Humboldt-Universität des Fahrt „(Nicht-)Orte: Spuren der NS-Zeit“, die in der Saison 2013 erfolgreich eingeboten wurde.
Was unsere Fahrten von den „normalen“ Touren unterscheidet, sind die Gäste (PolitikerInnen, KünstlerInnen, SchriftstellerInnen), die bestimmten Themen auf dem Schiff interviewt werden. Regelmäßig finden Themenfahrten in Zusammenhang mit Berliner Buchhandlungen statt. Regelmäßig führt die Gruppe um den 15. Januar eines jeden Jahres am Landwehrkanal eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Ermordung von Rosa Luxemburg durch.
Einen nachhaltigen Erfolg erzielte die Gruppe mit der am 25. September 2012 vollzogenen offiziellen Benennung des „Rosa-Luxemburg-Stegs“, einer Fußgängerbrücke über den Landwehrkanals in Höhe des Zoos. Seit 1986 hatte die Gruppe die Forderung aufgestellt, dass die neue Brücke den Namen der sozialistischen Politikerin tragen soll, deren Leiche an der Vorgängerbrücke am 15. Januar 1919 in den Kanal geworfen worden war. Auch die am Haus Tempelhofer Ufer 32 angebrachte Gedenktafel für den Musiker Rio Reiser geht auf die Initiative der Dampfergruppe zurück. Die Tafel wurde im Beisein von etwa 200 Personen am 20. August 2013 enthüllt. Zwei Mitglieder der Dampfergruppe waren mit Wortbeiträgen am Programm der Veranstaltung beteiligt.

Die ehrenamtlich arbeitende Gruppe besteht z.Z. aus vier Personen.

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Publikationen

In dieser Aufzählung sind entweder Publikationen aufgeführt in der die Berliner Geschichtswerkstatt als Herausgeber fungiert oder Publikationen, die von Mitgliedern der Berliner Geschichtswerkstatt erstellt und bei denen auf Materialien der BGW zurückgegriffen wurde:

  • Miltenberger, Sonja: Jüdisches Leben am Kurfürstendamm. Hrsg. v. Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin, Textpunkt 2011, 240 S.
  • Jochens, Birgit; Miltenberger, Sonja: Von Haus zu Haus am Kurfürstendamm. Geschichte und Geschichten über Berlins ersten Boulevard. Hrsg. v. Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin, Textpunkt 2011, 256 S.
  • Kein Ort der Freiheit - Das Tempelhofer Feld 1933 - 1945: Konzentrationslager - Luftwaffenstützpunkt - Rüstungszentrum. Beiträge zur gedenkpolitischen Debatte über den Flughafen Tempelhof. Hrsg. von der Berliner Geschichtswerkstatt, Berlin 2012, 81 S.
  • Hilde Schramm, Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux, Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg 2012, 432 S.
  • Karwelat, Jürgen: „Der Vater hat es nicht leicht gehabt …“. Lebensbilder aus dem Bartschtal 1925 bis 1945. Die vier Trenkel-Schwestern aus Militsch/Schlesien. Rothenburg o. d. T., Goldammer 2013, 62 S.
  • Pagenstecher, Cord, Ausländischer Widerstand in Berlin. Spielräume des Widerstehens von Zwangsarbeitern, in: Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter, hg. v. Hans Coppi und Stefan Heinz (Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus, Band XVI), Berlin: Dietz 2012, S. 229 - 247.
  • Pagenstecher, Cord, Apostolopoulos, Nicolas (Hg.), Erinnern an Zwangsarbeit. Zeitzeugen-Interviews in der digitalen Welt, Berlin: Metropol 2013
  • Czerwiakowski, Ewa, Irmer, Thomas, Pagenstecher, Cord, Digitale Spurensuche und mobiles Lernen im öffentlichen Raum. Die Zeitzeugen-App zur NS-Zwangsarbeit in Berlin, in: Erinnern an Zwangsarbeit. Zeitzeugen-Interviews in der digitalen Welt, Berlin: Metropol 2013, S. 267-272
  • Pagenstecher, Cord, „Da sammelt man die Erinnerungen.“ Das Online-Archiv Zwangsarbeit 1939-1945, in: Freilegungen: Überlebende - Erinnerungen - Transformationen. Jahrbuch des International Tracing Service, hg. v. Rebecca Boehling, Susanne Urban und René Bienert, Göttingen 2013, S. 228 - 243
  • Pagenstecher, Cord, Buggeln, Marc, Zwangsarbeit, in: Berlin 1933-1945, hg. v. Michael Wildt und Christoph Kreutzmüller, München: Siedler 2013, S. 127 - 142
  • Online-Ausstellung „Mirë se erdhëm? Albanerinnen in Berlin“, http://www.berliner-geschichtswerkstatt.de/albanerinnen.html
  • „Zwangsarbeit. Die Zeitzeugen-App der Berliner Geschichtswerkstatt“, AppStore 2013, Google Play 2014

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